Artikel von Johannes Zang

Dieser Apfel war vergiftet

Der Soziologe ­Moshe Zuckermann über Sicherheit als ideologischen Fetisch, Pragmatismus im Umgang mit der Hamas und die verlorene ­Friedensfähigkeit ­Israels.

Der Freitag, 2. April 2009

Der Freitag: Wie sollte der künftige israelische Premier Benjamin Netan­yahu mit der Hamas umgehen?

Moshe Zuckermann: Die Antwort darauf hat leider mehr mit Wunschdenken als mit realistischer Erwartung zu tun: Man sollte mit den führenden Politikern von Hamas pragmatisch umgehen. Das heißt, man sollte mit ihnen verhandeln, wo es nötig wird, denn man kann diese Organisation als Faktor im gesamtpalästinensischen Politgebilde schlechterdings nicht ignorieren. Schon gar nicht im Gaza-Streifen. Ob Benjamin Netanyahus rechtsradikale Koalition freilich dazu fähig ist, erscheint eher unwahrscheinlich.

Zur Begründung der Politik Israels gegenüber der Hamas heißt es immer: Wir möchten in Sicherheit leben. Können die Israelis eigentlich sehen, dass die Palästinenser in Unfreiheit leben?

Natürlich können sie das sehen, wenn sie es sehen wollen. Aber ob sie das wollen, ist schon wieder eine andere Frage. Denn auch Sicherheit kann unter Umständen zum ideologischen Fetisch geraten, bei dem man sich für die Unfreiheit der Anderen blind macht, weil man die Forderung nach Sicherheit zur leeren Worthülse hat verkommen lassen. Es kann eben keine Sicherheit für Israelis geben, solange die Unfreiheit der
Palästinenser gewahrt wird...

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