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Johannes Zang - Journalist, Referent und Reiseleiter

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Johannes Zang - Journalist, Referent und Reiseleiter

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Beiträge zum Nahostkonflikt
Von 2005 bis 2008 habe ich aus Jerusalem für über ein Dutzend deutschsprachiger Tages- und Wochenzeitungen und Magazine berichtet. Nach wie vor bin ich journalistisch tätig und bereise Israel und Palästina zu Recherchezwecken mehrmals jährlich.
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1.4.2018: Mitteldeutsche Kirchenzeitungen

Keiner feiert Ostern spektakulärer

Parade der Armenier - am Lichtsamstag

In Jerusalem ist in diesen Tagen einiges los. Die israelische Polizei ist mit Sondereinheiten im Einsatz. Orthodoxe Christen begehen das Osterfest in ganz besonderer Weise.

Die Gläubigen schubsen und stoßen, wollen möglichst nah ans Heilige Grab. Manche stehen seit dem frühen Morgen hier, nicht wenige haben in der Kirche auf Hockern oder in Schlafsäcken übernachtet. Seit Stunden intonieren einheimische Christen unter Trommelbegleitung Choräle.

Nun bahnen sich Vertreter der Behörden dank Ellenbogengewalt einen Weg durch die Menge. Sie repräsentieren die römische Besatzungsmacht zur Zeit Jesu. So wie diese gemäß der Heiligen Schrift das Grab Jesu verschloss, verfahren nun die Gesandten des israelischen Staates. Mittels Wachs versiegeln sie das Grab, nachdem sie in diesem nach versteckten Anzündern wie etwa Streichhölzern gesucht haben. Betrug soll ausgeschlossen werden.

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www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2018/04/01/...

Deutscher Autor Zang im "Kathpress"-Interview

Deutscher Autor Zang im "Kathpress"-Interview: Israel schießt sich mit diskriminierender Politik "klassisches Eigentor" - Aufruf an den Westen, Christen im Heiligen Land verstärkt zu unterstützen

Wien-Jerusalem, 29.06.2017 (KAP) Wenn die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Israel und Palästina in ihrer derzeitigen Form anhält, dann könnte die einheimische palästinensische Christenheit bis 2040 so gut wie ausgestorben sein. Diese Sicht vertritt zumindest der deutsche Nahost-Experte und Autor Johannes Zang. Er erlebe bei den Christen vor Ort immer mehr Resignation, Mut- und Perspektivenlosigkeit, so Zang im "Kathpress"-Interview. Immer mehr würden in der Auswanderung die einzige Perspektive für ein Leben in Würde sehen. Der Hauptgrund sei die politische Situation, gefolgt von der hohen Arbeitslosigkeit und dem zunehmenden islamistischen Fundamentalismus unter der muslimischen Mehrheit Palästinas.

Zang äußerte sich gegenüber "Kathpress" anlässlich des Erscheinens seines neuen Buches "Begegnung mit Christen im Heiligen Land". Er untermauerte seine Prognose auch mit Zahlen. So seien in den vergangenen Jahren in den palästinensischen Gebieten 61 Prozent der armenisch-orthodoxen Gläubigen, 50 Prozent der syrisch-orthodoxen, 32 Prozent der griechisch-orthodoxen, 28 Prozent der römisch-katholischen, 15 Prozent der griechisch-katholischen und 8 Prozent der protestantischen Gläubigen auswanderten. Dramatisch sei beispielsweise auch die Situation in Bethlehem, wo einst die Mehrheit der Bevölkerung christlich war. Inzwischen seien es höchstens noch 20 Prozent.

Die Mehrheit der weltweit auf ca. 500.000 geschätzten palästinensischen Christen lebt längst in Europa, Nord- und Südamerika sowie in den Golfstaaten. Nur etwa 170.000 arabischsprachige Christen leben noch in ihrer angestammten Heimat; 120.000 in Israel, 50.000 im Westjordanland samt Ost-Jerusalem und ca. 1.000 im Gaza-Streifen.

Auch die arabischen Christen in Israel hätten mit Diskriminierung, Hürden und Schwierigkeiten zu kämpfen, so Zang. So würden sie bei der Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen oder der Kreditvergabe benachteiligt, selbiges gelte für den Wohnungsmarkt. Familienzusammenführungen mit Angehörigen aus dem Westjordanland oder Gaza seien unmöglich. Dazu komme, dass auch in Israel, vor allem im Großraum Jerusalem, der jüdische Fundamentalismus bzw. Extremismus gegen Christen zunehme.

Es sei ihm überhaupt nicht klar, so Zang, "weshalb Israel nicht bewusst ist, dass es sich mit dieser Politik ein klassisches Eigentor schießt", denn die Christen seien in der Regel gut ausgebildet und friedliebend. "Also genau diese Leute bräuchte man für einen demokratischen palästinensischen Staat", so Zang.

Freilich musste der Nahost-Experte zugleich einräumen, dass ein solcher Palästinenserstaat immer unwahrscheinlicher werde. Das Westjordanland sei durch die jüdischen Siedlungen, weitere Außenposten und militärische Sperrgebiete bereits so klein bzw. zerstückelt, dass das unter palästinensischer Hoheit stehende Gebiet einfach nicht lebensfähig wäre. Zang sprach von einem "vollkommen durchlöcherten Schweizer Käse".

Viele seiner christlichen Gesprächspartner in Palästina und Israel seien vom Westen, der Politik wie der Kirche, enttäuscht, berichtete der Nahost-Experte. "Wir haben genug von all den Lippenbekenntnissen", sei eine oft gehörte Bemerkung. Der Westen müsse viel mehr Druck ausüben, um Israel zu einem Umdenken zu bewegen.

"Combatants for Peace"

Man dürfe allerdings die Hoffnung nicht aufgeben, so Zang weiter gegenüber "Kathpress". Er verwies als positives Beispiel auf die Bewegung "Combatants for Peace", in der sich Israelis und Palästinenser gemeinsam in gewaltloser Form für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts einsetzen. Viele Mitglieder sind ehemalige Soldaten der israelischen Streitkräfte bzw. palästinensischer Milizen. Und er treffe auch immer wieder auf palästinensische Christen, die sich trotz aller Schwierigkeiten nicht unterkriegen ließen.

Zang will mit seinem neuen Buch den Christen im Heiligen Land eine Stimme geben. Er informiert über die vielen teilweise wenig bekannten Kirchen und christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land (ca. 50) und gibt zudem einen schonungslosen Einblick in die Geschichte und aktuelle Situation der Christen vor Ort. Er ermutigt dazu, die verbliebenen Christen zu besuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, gemeinsam Gottesdienst zu feiern und sich auch über ihre vielen Sozial- und Bildungsinitiativen zu informieren. Dazu gibt es eine riesige Fülle von (Insider-)Tipps, Adressen und Kontaktpersonen.

Das Buch bleibt freilich nicht nur auf die Christen beschränkt, auch Begegnungsmöglichkeiten mit Drusen, Juden und Muslimen werden eröffnet. Nur so kann laut Zang auch die interreligiöse Realität des Heiligen Landes entsprechend abgebildet werden.

Auf die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen angesprochen, meinte Zang im "Kathpress"-Interview, dass die täglich gelebte Ökumene gut funktioniere. Es gebe so gut wie keine christliche Familie, die nicht aufgrund von Heiraten aus Angehörigen unterschiedlicher Konfessionen besteht. Auch auf offizieller Ebene sei das Verhältnis in den vergangenen Jahren besser geworden, so Zang unter Berufung auf Kircheninsider.

(Johannes Zang: Begegnung mit Christen im Heiligen Land. Ihre Geschichte und ihr Alltag. Echter-Verlag 2017)

erschienen im Schneller-Magazin, 4 / 2016

Zang rezensiert regelmäßig Bücher für kirchliche Magazine

Unbequeme Fragen

Es passiert nicht viel in Amos Oz ́ Judas. Der seit Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannte Israeli lässt in 51 Kapiteln ein halbes Dutzend jüdischer Israelis auftreten, sinnieren, diskutieren, und streiten: Schmuel Asch (und in Briefen: seine Familie), Atalja Abrabanel, Gershom Wald, Professor Gustav Jom-Tow Eisenschloss, Schealtiel Abrabanel und Sara de Toledo. Ihre Gespräche kreisen um Politik, aber auch um eigene Lebenswunden, ein Geheimnis oder eine persönliche Last.

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ems-online.org/fileadmin/user_upload/Medien/Zeitschriften/Schneller_Magazin

Dieser Apfel war vergiftet

Der Soziologe ­Moshe Zuckermann über Sicherheit als ideologischen Fetisch, Pragmatismus im Umgang mit der Hamas und die verlorene ­Friedensfähigkeit ­Israels.

Der Freitag, 2. April 2009

Der Freitag: Wie sollte der künftige israelische Premier Benjamin Netan­yahu mit der Hamas umgehen?

Moshe Zuckermann: Die Antwort darauf hat leider mehr mit Wunschdenken als mit realistischer Erwartung zu tun: Man sollte mit den führenden Politikern von Hamas pragmatisch umgehen. Das heißt, man sollte mit ihnen verhandeln, wo es nötig wird, denn man kann diese Organisation als Faktor im gesamtpalästinensischen Politgebilde schlechterdings nicht ignorieren. Schon gar nicht im Gaza-Streifen. Ob Benjamin Netanyahus rechtsradikale Koalition freilich dazu fähig ist, erscheint eher unwahrscheinlich.

Zur Begründung der Politik Israels gegenüber der Hamas heißt es immer: Wir möchten in Sicherheit leben. Können die Israelis eigentlich sehen, dass die Palästinenser in Unfreiheit leben?

Natürlich können sie das sehen, wenn sie es sehen wollen. Aber ob sie das wollen, ist schon wieder eine andere Frage. Denn auch Sicherheit kann unter Umständen zum ideologischen Fetisch geraten, bei dem man sich für die Unfreiheit der Anderen blind macht, weil man die Forderung nach Sicherheit zur leeren Worthülse hat verkommen lassen. Es kann eben keine Sicherheit für Israelis geben, solange die Unfreiheit der

Palästinenser gewahrt wird...

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Noch nicht gelungen, noch nicht gescheitert

Tom Segev

Der Historiker Tom Segev über 60 Jahre Israel, geschönte Geschichtsschreibung und verpasste Friedenschancen.

Der Tagesspiegel, 5. Mai 2008

Was empfinden Sie am 60. Geburtstag von Israel?

60 Jahre ist nicht so ein wichtiges Jubiläum. Es gibt ein kleines Land in Asien, das dieser Tage auch 60 Jahre Unabhängigkeit feiert und das heißt Indien. Und kein Mensch interessiert sich so sehr für Indien wie für Israel. Für mich ist Israel natürlich Teil meines Lebens, aber ich glaube, dass Israel ein Experiment ist, das noch nicht gelungen und noch nicht gescheitert ist. Deshalb ist es so aufregend, in Israel zu leben...

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Netzwerk des Friedens

Israelis und Palästinenser treffen sich im türkischen Antalya, um über Friedenserziehung zu sprechen - und stellen fest, wie viel sie gemeinsam haben.

Die Zeit, 25. November 2006

Bei Qalyilya, Besetztes Palästinensisches West-Jordanland. Es ist halb sechs Uhr früh, als Mohammed Kharroub in das orangene Sammeltaxi steigt. Eigentlich wären es nur 25 Minuten Fahrzeit zum israelischen Flughafen Ben Gurion. Doch Mohammed ist Palästinenser und zwischen seinem Dorf und Israel reckt sich die Trennmauer in den Himmel. Fünf Stunden hat er eingeplant, um den Übergang nach Jerusalem namens Qalandiya zu erreichen.

Mohammed engagiert sich im Bezirk Qalqilya seit sieben Jahren ehrenamtlich bei “Samen des Friedens”...

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Wir tragen täglich unser Kreuz

Gaza heißt Hoffnungslosigkeit - In der "leergegessenen Fischbüchse" wird die Situation für die Menschen immer unerträglicher.

Die Tagespost, 25. Juli 2006

Gaza hat ein palästinensischer Dichter einmal als leergegessene Fischbüchse bezeichnet. Leer kann man eigentlich nicht steigern. Auch wenn die israelische Politik der Abriegelung und Bombardierung Gazas das nahe legt. Die vor acht Tagen beantragten "Passierscheine" wurden vom israelischen Militär genehmigt, einem Besuch Gazas steht nichts mehr entgegen. Ein Anruf beim Gaza-Übergang "Erez" direkt vor der Abfahrt bringt in Erfahrung: Trotz Militäroffensive offen. Dorthin braust das Taxi in einer guten Stunde von Jerusalem...

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Die Palästinenser als gleichwertige Menschen ansehen

Kommenden Dienstag wird in Israel gewählt - Den Friedensprozess wird das nicht voranbringen, meint der Journalist Gideon Levy.

Die Tagespost 25. März 2006

Gideon Levy zählt zu den wenigen israelischen Journalisten, die über das Leben der Palästinenser berichten. Wegen seiner kritischen Beiträge ist er häufig Angriffen seiner Landsleute ausgesetzt. Seine wöchentlichen Kolumnen in der Zeitung "Haaretz" sind mittlerweile unter dem Titel "Schrei geliebtes Land" auf deutsch erschienen. Johannes Zang sprach mit ihm über die bevorstehenden Wahlen...

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Fröhlich sein, Gutes tun und die Trauben reifen lassen

Am Heiligen Abend einen guten Tropfen aus Bethlehem - Seit 120 Jahren bauen Salesianer in Palästina mit viel Liebe Wein an.

Die Tagespost, 5. November 2005

Cremisan bei Beit Jalla. Geht es noch steiler bergauf? Es mögen zwanzig Prozent Steigung sein, vielleicht auch mehr in diesem Städtchen namens Beit Jalla, von Bethlehem nur durch die Jerusalem-Hebron- Straße getrennt. Vorbei an der orthodoxen St. Nikolauskirche - dem Ortspatron geweiht - schlängelt sich die Straße den Hügel hinauf. Links und rechts Krämerläden, Frisörsalons, Boutiquen und Internetcafes. Etwa vierhundert Meter nach der lutherischen Kirche die Abzweigung von der Hauptstraße. Rechts am Hang entlang führt das Sträßchen nach Cremisan. Häuser stehen zwischen Olivenbäumen. Einige Bauern ernten schon das grüne Gold des Heiligen Landes...

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Wir sind sehr oberflächlich

Hürden und Lücken, Zensur und Selbstzensur – Der Nahostkonflikt in den Medien.

Die Tagespost, 29. Januar 2005

„Viele Zeitungen zeichnen ein Schwarz-Weiß-Bild. Grautöne kommen ebenso wenig vor wie Hintergründe oder der Alltag der Menschen. Für Positives ist gar kein Platz.“ Der Entwicklungshelfer Stefan ärgert sich über die Art, wie deutsche Medien den Nahostkonflikt darstellen. Seinen Nachnamen will er nicht nennen. Der Mittdreißiger hat in den palästinensischen Gebieten die Intifada erlebt, mit weit über 100 Tagen unter Ausgangssperre. Bald begann er, in Rundbriefen an Verwandte und Freunde das zu berichten, was die Medien seiner Meinung nach übersahen, wegließen, ausblendeten. Keine Hintergründe – und das, obwohl sich in diesem Landstrich, so groß wie Hessen, weltweit die meisten Journalisten pro Quadratkilometer tummeln, angeblich allein achthundert feste Korrespondenten, die Sonderberichterstatter gar nicht mitgerechnet...

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Starker Toback

Avraham Burg, ehemaliger Sprecher der isaelischen Knesset, will mit seinem Buch "Hitler besiegen" seinen Landsleuten ins Gewissen reden.

18. Oktober 2009

Israel hat einen neuen Propheten. Auf diese Formel lässt sich die Essenz von Avraham Burgs Buches Hitler besiegen bringen. Der frühere Sprecher der israelischen Knesset (1999-2003) war schon während der 2. Intifada durch aufrüttelnde Artikel aufgefallen, 2004 verschwand er von der politischen Bildfläche. Burg (Jahrgang 1955) ist der Sohn des Dresdner Rabbiners (warum verschweigt das der Klappentext?) Josef Burg und einer, wie er es nennt „arabischen Jüdin aus Hebron”, die 1929 das palästinensische Massaker an Juden überlebt hatte...

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Zorn und Hoffnung

Israelisch-jüdische Anwältin Felicia Langer erhält von Palästinenserpräsident Abbas den „Orden für besondere Verdienste“

„Die Jahre des Zorns über das Unrecht machten vielleicht meine Stimme heiser und verzerrten manchmal meine Züge. Aber ich konnte dennoch freundlich bleiben, weil mich die Liebe nie verließ.“ So lauten die Schlusssätze in Felicia Langers Autobiographie Zorn und Hoffnung, ihrem, wie sie meint, wichtigsten Buch. Die Wut hatte die junge Anwältin nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 eine Kanzlei in Jerusalem eröffnen lassen. Fortan verteidigte sie Palästinenser vor israelischen Militärgerichten. Dafür, aber auch für ihren Einsatz gegen Landenteignung, Hauszerstörung, Abschiebung und Folter wurde sie dieser Tage von Präsident Mahmoud Abbas in Berlin mit dem „Orden für besondere Verdienste“ geehrt. Das war für sie, sagt sie unserer Zeitung, „eine große Freude und Genugtuung.“ Die Feierstunde, an der neben Präsident Abbas unter anderen auch ein ehemaliger Mandant Langers sowie ihr Enkel teilnahmen, sei „sehr herzlich, sehr menschlich“, ja einfach „eine wunderschöne Begegnung“ gewesen. Gestärkt und ermutigt für ihren Menschenrechtseinsatz ist die 81-jährige gebürtige Polin in ihre Wahlheimat Tübingen zurückgekehrt, wo sie seit 1990 lebt.

In jenem Jahr hatte sie die Kanzlei in Jerusalem geschlossen – nach 23 Jahren des Kampfes gegen ein Justizsystem, das sie als Farce erlebt hatte. Im selben Jahr, am 9. Dezember 1990, ihrem 60. Geburtstag, wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis, dem Right Livelihood Award ausgezeichnet.

Nach ihrem größten Erfolg als Anwältin gefragt, entgegnet sie augenblicklich, dass es viele Niederlagen gegeben habe. Dann kommt sie auf den früheren Bürgermeister von Nablus, Bassam Schaka zu sprechen. Dass sie seine Verbannung verhindern konnte, bezeichnet sie als „Pyrrhussieg.“ Bassam, wie sie den palästinensischen Freund nennt, verlor durch einen Sprengsatz einer israelisch-jüdischen Terrororganisation beide Beine. Einmal fragte sie ihn, ob es nicht besser gewesen wäre, er wäre ausgewiesen worden, hätte aber seine Beine noch. Er antwortete ihr: „Du weißt Felicia: Für mich, ohne Beine, aber im Vaterland zu bleiben, ist viel wichtiger.“

Sie selbst hat ihr Vaterland Polen nach der Heirat ihres „Traumprinzen“ Mieciu 1950 in Richtung Israel verlassen. Da ahnte sie nicht, dass sie auch aus der neuen Heimat einmal auswandern würde. Mit ihrem Mann, der fünf Konzentrationslager überlebt hatte, zog sie eine Lehre aus dem Holocaust, die sie mit einem Wort umschreibt: Menschlichkeit. „Wer diese Lehre nicht gezogen hat und sie ignoriert, wie es die israelische Regierung tut, verrät unsere Opfer.“

Es sind diese Sätze, die sie weltweit bekannt machten und die ihr zahlreiche Preise und Ehrungen einbrachten, darunter eine Auszeichnung des Palästinensischen Ministers für Gefängnisangelegenheiten, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Nazareth und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, das Horst Köhler ihr 2006 verlieh. Doch wären sie ohne ihr jahrzehntelanges Engagement nur Worthülsen. Die vielen Vortrags- und Interviewanfragen, vor allem seit ihrer Auswanderung nach Deutschland, machten ihr klar, dass sie ihre Sprachkenntnisse erweitern musste. Also lernte sie nach Polnisch, Russisch, Hebräisch, Arabisch und Englisch auch noch Deutsch – als Autodidaktin. Auch hier zeigt sich ihr Wesen: Klarheit, Geradlinigkeit, Willensstärke, gepaart mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Bei ihrem Appell an das deutsche Volk nimmt sie kein Blatt vor den Mund, wenn sie fordert: „Die israelische gegenwärtige Politik muss sich total ändern, sie muss ihre Friedensresistenz zur Seite schieben, Teil vom Nahen Osten sein, Frieden mit den Palästinensern machen, Frieden mit Gerechtigkeit, das heißt Räumung der Gebiete, die wir okkupiert haben vor 45 Jahren. Anderenfalls wird Israel als Insel der Apartheid im Nahen Osten bleiben, was auch für uns Israelis eine Tragödie ist, nicht nur für die anderen.“

Ihre Stimme ist auch nach fast 50 Jahren des Aufschreis nicht heiser und nicht leiser geworden. Im Gegenteil: sie klingt freundlich, gleichzeitig jedoch ernst und bestimmt.

Eine Gemeinde ohne Schutz

Neunundzwanzig Stunden bei den Christen im Gaza-Gebiet: Die Angst vor Gewalttaten begleitet jedes Gespräch

Wiedersehen am Grenzübergang Erez: Ist das wirklich mein alter Freund und Chauffeur Maher? Er wirkt um deutlich mehr als die drei Jahre gealtert, die seit unserer letzten Begegnung verstrichen sind. Dann, nach einer herzlichen Begrüßung, rast mein Fahrer, so schnell es die vielen Schlaglöcher erlauben, in Richtung Gaza-Stadt.

Lesen Sie weiter in Publik Forum unter: www1.publik-forum.de/archiv/eine-gemeinde-ohne-schutz

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